Gottesdienstverlauf

Der Gottesdienstverlauf (die Liturgie)  

Die Grundform des Gottesdienstes ist in Jahrhunderten gewachsen und in den evangelischen und katholischen Kirchen ziemlich ähnlich. Sie ist ein kunstvoller, weiter Rahmen, der immer wieder neu mit Leben gefüllt wird. Wer die Grundform kennt, findet sich in jedem Gottesdienst zurecht.

Jeder Sonntag des Kirchenjahres hat ein Thema, auf das die Lieder und Gebete, die Lesungen aus der Bibel und die Predigt bezogen sind. So kommen im Laufe eines Jahres viele Aspekte unseres Glaubens und Lebens zur Sprache.

Im Allgemeinen ist der Ablauf eines Gottesdienstes bestimmt durch den Wechsel von Worten des Pfarrers oder der Pfarrerin und Antworten der Gemeinde.

Der Gottesdienst hat drei oder, wenn das Abendmahl hinzukommt, vier Teile:


1. Eröffnung und Anrufung

Bei Gott sind wir willkommen und mit dem, was uns bewegt, Freude oder Kummer, ernst genommen. Das wird besonders im Eingangsteil des Gottesdienstes deutlich.

 

  • Orgelvorspiel
  • Eingangslied
  • Begrüßung und Votum
    "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes" – mit diesem oder einem ähnlichen Satz (Votum) werden wir zu Beginn des Gottesdienstes daran erinnert, dass wir "im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes" getauft sind. Die Gemeinde antwortet mit einem gesungenen Amen. Gelegentlich wird an dieser Stelle auch auf Besonderheiten eines Gottesdienstes aufmerksam gemacht.
  • Psalm
    Mit dem Psalm für den Sonntag kommt das Thema des Gottesdienstes ins Spiel. Der Psalm wird meist im Wechsel zwischen Pfarrer/in und Gemeinde gesprochen. Am Ende des Psalms wird das "Ehr sei dem Vater gesungen". (Gesangbuch Nr. 177)
  • Eingangsgebet
    Ein Gebet will unsere Gedanken sammeln und auf Gott hinlenken. In diesem Gebet danken wir Gott für seine Liebe und seine Gaben. Wir preisen seinen Namen.
  • Stilles Gebet
    Hier ist Raum, die eigenen Gedanken vor Gott zu bringen, das was einen in diesem Moment beschäftigt, ob Bitte oder Dank.


2. Verkündigung und Bekenntnis

Im Verkündigungsteil des Gottesdienstes geht es um das Leben, wie wir es vom christlichen Glauben her sehen und verstehen können. Was Gott uns durch alle Zeiten hindurch schenkt, was er von uns erwartet und wie wir als Christen in unserer Zeit leben können, das wird an den einzelnen Teilen, die zur Verkündigung gehören, deutlich.

 

  • Glaubensbekenntnis
    Gemeinsam bekennen wir den Glauben der Kirche – mit Sätzen, die in alter Zeit als Bekenntnis des Glaubens formuliert wurden. Das Glaubensbekenntnis wird bei uns nur in Abendmahlsgottesdiensten oder bei Taufen gesprochen
  • Schriftlesung
    In jährlicher Wiederholung werden seit alters her wichtige Geschichten, Gleichnisse oder Abschnitte aus Briefen der Bibel verlesen. Geschichten vom Leben, wie es sein soll. Gedanken, die Mut machen: Ein Stück aus dem Alten Testament, ein Abschnitt aus den Briefen des Neuen Testaments und eine Geschichte aus den Evangelien. Zu allen Zeiten haben sich Menschen in diesen Geschichten mit ihren eigenen Hoffnungen und Erfahrungen wiedergefunden.
    Der Leitgedanke dieser Lesung steht im Zusammenhang mit dem Thema des Gottesdienstes. Auch Wochenlied und Wochenspruch sind darauf bezogen, ebenso der Bibeltext für die Predigt.
    Die Schriftlesung wird von einem Kirchengemeinderat gelesen.
  • Wochenlied
  • Predigt
    In der Predigt wird ein biblischer Text auf das Leben in unserer Zeit hin ausgelegt. Sie schlägt eine Brücke zwischen den Aussagen von damals und Situationen von heute. So bleibt die Bibel für uns aktuell und wir hören, was Gottes Wille für unser Leben ist. Die Texte für die Predigt wiederholen sich erst nach Ablauf von sechs Jahren wieder. So kommen im Laufe der Zeit viele und ganz unterschiedliche Themen zur Sprache.
  • Lied nach der Predigt

3. Fürbitte und Sendung

Am Ende kommt die Verantwortung für die Welt in den Blick, die uns Christen von Gott her ans Herz gelegt ist. Wir stellen uns darauf ein, unseren Glauben in den Alltag der Welt hineinzutragen.

 

  • Fürbitten
    In diesem Gebet wenden wir unsere Aufmerksamkeit anderen zu – wir bitten für die Nächsten, für die Kirche hier und in der ganzen Welt, für alle Menschen, besonders für diejenigen, die unterdrückt sind und leiden. Wir beten für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt, stellvertretend auch für die, die in Not und Zweifel nicht mehr selber beten können, und bitten um Gottes Beistand und Hilfe in Situationen, in denen Menschen sich hilflos fühlen. Es ist immer eine Bitte um Kraft für das notwendige Handeln im Alltag. Manchmal beteiligt sich die Gemeinde an den Fürbitten mit gesungenen oder gesprochenen Bittrufen wie "Herr, erbarme dich".
  • Vaterunser
    Mit diesem Gebet, das die Gemeinde stehend spricht, werden die Fürbitten abgeschlossen. Es wird auch "Gebet des Herrn" genannt, weil Jesus mit diesen Worten seine Jünger zum Beten angeleitet hat
  • Lied zum Ausgang
  • Abkündigungen
    Wir tauschen aus, was wir gemeinsam wissen müssen, traurige und freudige Ereignisse in der Gemeinde, aber auch Termine und Veranstaltungen. Hier wird auch bekannt gegeben, für welchen Zweck in diesem Gottesdienst Geldspenden erbeten werden.
  • Segen
    Zum Schluss wird uns noch einmal zugesprochen, was aus dem Gottesdienst in den Alltag hinein gelten und weiterwirken soll: Wir sind Gottes Boten und können in seinem Schutz gehen. Der Segen Gottes wird uns begleiten.
  • Orgelnachspiel


Der Sonntagsgottesdienst ist eigentlich nicht anderes als ein besonderer Ort des Gesprächs zwischen Gott und uns Menschen.
Gott spricht mit uns: In den Liedern, Lesungen aus der Bibel, der Predigt, dem Segen.
Wir sprechen mit Gott: in den Liedern, in den Gebeten, im Vaterunser.
Wir haben Gott in der Gemeinschaft unserer Mitchristen etwas zu sagen: ihm zu danken, ihn zu bitten, ihn für andere zu bitten. Und Gott hat uns etwas für unser Leben zu sagen. Das Wort "Gottes-Dienst" hat also eine doppelte Bedeutung.